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Geschichte der Edelmetalle

1.000 Tonnen Gold in 5.000 Jahren - Vom Altertum bis zu Napoleon
Lange bevor Gold in irgendeiner Form als Währungsmetall genutzt wurde, hatten sich die frühen Kulturen schon die besonderen Eigenschaften des edlen Metalls zur Herstellung von Gebrauchs-, Schmuck- und Kultgegenständen zunutze gemacht. Zentren der frühen Verwendung und erste Orte der Entdeckung von Goldvorkommen überhaupt waren das Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris und Ägypten. In diesen Gebieten wurde das Gold zunächst durch das Auswaschen von Flusssand gewonnen. Die früheste Nutzung für Schmuck geht über 5.000 Jahre auf die Kultur der Sumerer im heutigen Irak zurück. Ein Beispiel für die außerordentlichen Fähigkeiten der frühzeitlichen Vorfahren heutiger Juweliere fanden Archäologen, als sie in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen den Goldschatz in den königlichen Grabstätten von Ur entdeckten. Aber nicht nur in Kleinasien, auch am Nil begann die Nutzung von Gold im vierten vorchristlichen Jahrtausend. Die Ägypter waren Vorreiter bei der technischen Entwicklung im Bereich der Metallschmelzverfahren. Sie schafften es, mit Hilfe von Blasrohren so hohe Temperaturen zu erzeugen, dass das gefundene Metall geschmolzen werden konnte. Damit konnten nicht mehr nur größere Goldklumpen direkt verarbeitet werden, sondern auch kleinere Körner und Blätter, die vor der Bearbeitung in Tiegeln zusammengeschmolzen wurden.
Rund 1.000 Jahre dauerte es allerdings von der frühesten Verwendung von Edelmetallen an gerechnet, bis die alten Kulturen in der Lage waren, praktisch reines Gold herzustellen. Vorher verfügte das von den Ägyptern Elektron genannte Metall immer über eine Beimischung von Silber, da die Schmelzpunkte dieser beiden Metalle für eine exakte Trennung, Scheidung genannt, zu nahe beieinander lagen. Später entwickelten die Anwohner des Nils auch die Kunst des Legierens, z.B. durch die Beigabe von Kupfer. Damit konnten Gegenstände hergestellt werden, die jene, die ausschließlich aus dem relativ weichen Gold geschaffen waren, an Härte weit übertrafen. Auch war es nun möglich, dem Gold Farbnuancen zu geben, ein Vorgehen, das auch heute noch beobachtet werden kann. So verfügt die südafrikanische Goldmünze Krügerrand über eine rötliche Färbung, die auf einen erhöhten Kupferanteil zurückgeht. Die Ägypter beschränkten sich aber nicht nur auf die Gewinnung des Goldes, das ihnen der Nil aus dem Hochland Abessiniens brachte, ihr Land war auch das erste mit einem entwickelten Goldbergbau. So verfügten sie bereits über eine, auch aus heutiger Sicht erstaunliche Fähigkeit zur Lokalisierung von Goldlagerstätten und noch heute gibt es zahlreiche archäologische Zeugnisse für die große Anzahl von Goldbergwerken, mit deren Hilfe sie die Vorkommen zwischen dem Nil und dem Toten Meer ausbeuteten. Insgesamt schätzt man die Menge des durch die Ägypter gewonnenen Goldes auf rund 850 Tonnen, verteilt allerdings auf einen Zeitraum von weit über 1.000 Jahren. Dies entspricht in etwa der heutigen jährlichen Produktion von Südafrika und den USA zusammen.
Von Ägypten aus verbreitete sich die Kenntnis der Gewinnung und Bearbeitung von Edelmetallen in alle damals bekannten und erreichbaren Hochkulturen. Das Erbe der Ägypter selbst traten später die Römer an, die Gold auch aus Bergwerken auf dem heutigen Balkan und aus den spanischen Provinzen gewannen. Die Förderung im Römischen Reich wird auf etwa 5-10 Tonnen jährlich geschätzt. Mit dem Niedergang des Römischen Reiches ging auch ein Großteil des technischen Wissens im Bereich der Edelmetalle verloren und es sollte fast 1.000 Jahre dauern, bevor die Menschheit wieder den Stand der Römerzeit erreichte.
Im Mittelalter wurde Gold in Europa in erster Linie wieder mit Hilfe primitiver Waschtechniken gewonnen. Bergwerke gab es lediglich in einigen Gegenden Mitteleuropas, so im Fichtelgebirge und dem Harz, in Böhmen, Schlesien und in den Alpen. Die in den tausend Jahren zwischen dem Niedergang des Römischen Reiches und der Entdeckung Amerikas geförderte Menge von Gold wird auf 300 bis maximal 600 Tonnen geschätzt und erreicht damit nur einen Bruchteil der in antiker Zeit insgesamt geförderten Menge.
Aber nicht nur im Mittelmeerraum und in den angrenzenden Gebieten Europas entwickelten die Menschen eine Vorliebe für die edlen Metalle. In China zum Beispiel wurde Gold bereits 1.000 Jahre vor Beginn der christlichen Zeitrechnung gewonnen und verarbeitet. Gleiches gilt auch für die Gebiete südlich der Sahara und natürlich für die indianischen Hochkulturen in Mittel- und Südamerika.
Einen neuen Schub erhielt die Rolle des Goldes im 15. und 16. Jahrhundert. Auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien entdeckte Christoph Kolumbus Amerika. Auf seinen ersten Reisen wurde er gar nicht mit den großen Schätzen Südamerikas konfrontiert und doch schrieb er 1503 in seinen Briefen aus Jamaika: „Das Gold ist das allervortrefflichste. Gold ist ein Schatz. Wer diesen besitzt, kann alles, was er auf der Welt wünscht, sich verschaffen und sogar Seelen dem Paradiese zuführen.“ Und König Ferdinand gab seinen Soldaten im Jahr 1511 mit auf den Weg: „Holt Gold. Auf menschliche Art und Weise wenn es Euch möglich ist, aber unter allen Umständen – holt Gold.“
In den nächsten 200 Jahren dominierten die Flotten Spaniens und Portugals den Atlantik und beladen mit Gold und mehr noch mit Silber kehrten die Galeonen zurück in die Heimat. Unglaubliche Schätze wurden von den Konquistadoren zusammengetragen, nicht nur vom materiellen Wert her, sondern auch unter künstlerischen Gesichtpunkten. Die meisten dieser Kunstwerke landeten jedoch unwiederbringlich in den Schmelzen der Eroberer und trotz aller Bemühungen und scheinbarer Erfolge blieb die Suche nach dem geheimnisvollen El Dorado letztlich erfolglos. Denn die Suche nach neuen Goldlagerstätten führte zu praktisch keinen greifbaren Ergebnissen. Zu gering war die Erfahrung der neuen Herren im Bereich von Geologie und Bergbau, zu schonungslos die Ausrottungspolitik, mit der sie sich selbst um potentielle Arbeitskräfte brachten. Und doch – das eroberte Gold und Silber und das vergleichsweise wenige, was der Erde zusätzlich entrungen werden konnte, leitete zu Hause in Europa einen wirtschaftlichen Aufschwung ein, der seit dem Mittelalter ohne Beispiel war. Bereits im 17. Jahrhundert fiel die Goldproduktion weltweit allerdings wieder ab und betrug nur noch weniger als 10 Tonnen im Jahr. Gehandelt wurden die Edelmetalle in dieser Zeit zunächst in Amsterdam, bis sich im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts London als neuer Handelsplatz für Gold und Silber etablierte.
Von einem Rausch zum anderen - Die weltweite Jagd nach dem gelben Metall
Um das Jahr 1700 herum kam es dann zum ersten klassischen Goldrausch. Die Entdeckung von Goldvorkommen in den Flüssen Brasiliens ließ Abenteurer aus der gesamten Kolonie und sogar aus dem Mutterland Portugal in die Gebiete landeinwärts strömen. Im Jahr 1720 war Brasilien zum größten Goldproduzenten der Welt aufgestiegen, mit über 15 Tonnen lieferte es fast zwei Drittel des insgesamt geförderten Metalls. Der Goldrausch im größten Land Südamerikas trug bereits alle Merkmale jener späteren Züge in vielen Teilen der Welt und doch sollte es noch einmal fast 130 Jahre dauern, bis es zum nächsten wirklichen Rennen nach dem Gold kam.
Im Jahr 1848 wurden in Kalifornien umfangreiche Goldvorkommen entdeckt. Der Zug der Goldsucher in den Westen der USA riss daraufhin nicht mehr ab und schon nach kurzer Zeit waren die Vereinigten Staaten an die Spitze der Produzentenländer katapultiert worden. Verdrängt vom Platz eins wurde aber nicht Brasilien, das lange zuvor die Liga angeführt hatte, sondern das zaristische Russland. Dort waren in der Mitte des 18. Jahrhunderts umfangreiche Lagerstätten im Bereich des Urals gefunden worden, was zur Folge hatte, dass Jekaterinenburg zum Zentrum der russischen Goldproduktion wurde.
Aber nicht nur in Kalifornien wuchs dem zaristischen Russland eine ernstzunehmende Konkurrenz um den ersten Platz. Ende 1850 kehrte ein australischer Goldsucher aus Kalifornien kommend zurück in die Heimat. Er wettete noch auf dem Schiff, dass er nur eine Woche bräuchte, um auch in Australien ähnliche geologische Formationen wie jene, die er aus Kalifornien kannte, zu finden und so ebenfalls Goldlagerstätten zu entdecken. Edward Hargraves sollte Recht behalten. Tatsächlich nur eine Woche nach seiner Ankunft auf dem fünften Kontinent entdeckte er im Macquarie River in New South Wales das erste Gold. Der australische Goldrausch hatte damit nur rund zwei Jahre nach jenem in Kalifornien begonnen. Hargrave wurde für seine Verdienste später reich belohnt: Er wurde durch Queen Victoria zum Verwalter jener Gebiete bestellt, in denen er das Gold gefunden hatte und hatte damit finanziell ausgesorgt. Für das Mutterland England und den Markt in London waren diese Funde gleichermaßen entscheidend. Während das meiste amerikanische Gold im Land blieb, fand das australische Gold seinen Weg nach Europa und festigte die Bedeutung Londons als wichtigsten Goldhandelsplatz der Welt.
Den letzten Goldrausch im klassischen Sinne gab es schließlich 1896, als zwei kanadische Goldsucher Vorkommen in der Gegend des Yukon Rivers entdeckten. Diese Vorkommen am Klondike gingen nicht nur in die Literatur ein, sie waren auch diejenigen von allen Goldfeldern, die den Goldsuchern am meisten abverlangten. Von hunderttausend Menschen, die sich auf den Weg nach Dawson City, jener Goldgräberstadt im Zentrum der Vorkommen, machten, kamen nur etwa 30.000 bis 40.000 an. Von diesen wiederum haben nur etwa 5.000 tatsächlich nach Gold gesucht, nur einige hundert wurden wirklich dabei reich. Alles in allem dauerte der Goldrausch am Klondike ganze drei Jahre. 75 Tonnen Gold wurden in dieser Zeit aus den Flüssen und aus der Erde geholt, dann sank die Bevölkerungszahl von Dawson City, das zwei Jahre lang die größte kanadische Stadt nördlich von Winipeg war, wieder in sich zusammen. Zwar wurde noch bis 1966 in der Gegend Gold gefördert, die aufregendste Zeit war da aber schon lange vorbei.
Schon zehn Jahre vor jenem Goldrausch im Norden Kanadas wurde Gold an einer ganz anderen Stelle des Globus entdeckt, nämlich in Südafrika. Hier allerdings beherrschten von Anfang an nicht die Glücksritter und die klassischen „Digger“ die Szene, sondern kapitalstarke und mit hohem technischen und fachlichen Einsatz zu Werke gehende Unternehmen. Schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte es in Südafrika einige Goldfunde gegeben, jedoch standen sie immer im Schatten der gewaltigen Diamantenfunde von Kimberley in der Kap-Provinz. 1886 änderte sich das Bild. Jene Vorkommen bei Johannesburg im damals unabhängigen Burenstaat Oranje-Freistaat, die auch heute noch jedes Jahr große Mengen an Gold liefern, wurden damals entdeckt. Schnell übernahmen jene Unternehmen, die bereits die Vormacht bei der Ausbeutung der Diamantenvorkommen gewonnen hatten, die Kontrolle. Am Anfang standen sie jedoch vor scheinbar unlösbaren Problemen. Geologisch unterschieden sich nämlich die Vorkommen in Südafrika von jenen in anderen Teilen der Welt. Es gab keine Goldklumpen (Nuggets), nach denen man hätte graben können, es gab nicht einmal sichtbare Spuren des Goldes. Es war nämlich am Witwatersrand nicht in Erzadern enthalten, sondern direkt im Gestein, in sog. Primärvorkommen. Und damit war es nur sehr schwer zu gewinnen. Erst die Entdeckung eines neuen technischen Verfahrens zur Lösung des Goldes aus dem Gestein durch einige englische Wissenschaftler brachte die Abhilfe und verhalf der Förderung von Gold am Kap der Guten Hoffnung, die 1890 schon vor dem Aus zu stehen schien, zu ihrer bis 2007 erfolgreich verteidigten Spitzenstellung. Wurden 1887 nur 1,2 Tonnen Gold, und damit nur 0,8% der Weltfördermenge in Südafrika gewonnen, waren es fünf Jahre später schon 30 Tonnen, eine Zahl, die bis in die siebziger Jahre, als über 1.000 Tonnen pro Jahr gefördert wurden, stetig anstieg. Erst dann ging auf Grund der hohen Kosten für die Etablierung neuer Minen, der großen technischen Schwierigkeiten dabei und wegen des abnehmenden Goldgehaltes im Gestein selbst die Produktion langsam aber sicher zurück. Fast vierzig Jahre nach dem Produktionsrekord im Jahr 1970 werden aber noch immer rund 260 Tonnen im Jahr in Südafrika gefördert. Insgesamt haben das Land in über einem Jahrhundert rund 60.000 Tonnen Gold verlassen und damit fast die Hälfte jenes Goldes, das in den letzten sechs Jahrtausenden irgendwo auf der Erde gefördert wurde.
Trotz der oben beschriebenen Funde zählt Gold jedoch nicht zu den wirklich häufig vorkommenden Elementen. Insgesamt wurden der Erde bis heute rund 160.000 Tonnen des edlen Metalls abgerungen. Was sich auf den ersten Blick nach einer Menge anhört, ergibt zusammengenommen gerade einmal einen Würfel, der nicht viel größer ist als die Durchfahrt des Brandenburger Tores in Berlin.
Goldene Zeiten und 1914 ein bitteres Ende: Gold als alleiniger Rückhalt des Weltwährungssystems
Nach den napoleonischen Kriegen ging England im Jahre 1816 als erstes Land der Welt zu einer rein goldgedeckten Währung über. Ihm folgten in den Jahren darauf Portugal, die Schweiz (mit einer Gold-/Silberwährung) und nach dem Ende des deutsch-französischen Krieges 1871 auch das Deutsche Reich. Frankreich, Belgien, Holland und die Staaten Skandinaviens schlossen sich den Veränderungen relativ rasch an, bedeutende Nachzügler bildeten nur Russland, Japan und die USA, die ihre Währung erst um die vorletzte Jahrhundertwende herum umstellten.
Die entsprechend umgewandelten Währungen wurden zu so genannten Goldumlaufwährungen, bei denen das zirkulierende Papiergeld wertmäßig gedeckt war durch das Währungsgold der jeweiligen Länder. Das Gold selbst wurde in Form von Goldmünzen – Kurantmünzen genannt – vorgehalten und befand sich entweder im Umlauf oder konnte bei der jeweiligen Notenbank durch die Einlieferung von Noten eingetauscht werden. Der Goldstandard bildete nicht nur die zwangsläufige Grundlage für die nationale Wirtschaftspolitik der betreffenden Länder, auch die internationale Währungsordnung basierte auf diesem Fundament und war gekennzeichnet durch ein System von festen Wechselkursen, die in einem bestimmten Verhältnis zu Gold standen. Ergaben sich im Außenhandel zwischen den Ländern Salden, wurden diese durch den Transfer von Gold ausgeglichen. Eine Steigerung der Goldreserven führte so zur Vergrößerung der umlaufenden Geldmenge, ein Abfluss von Gold in das Ausland hatte auf dem jeweils heimischen Kapitalmarkt die entgegengesetzte Wirkung. Auf diese Weise wurde die inländische Geldversorgung durch die externe Zahlungsbilanz bestimmt. Möglich wurde dieses System durch den freien Geld- und Kapitalverkehr, der zwischen den Staaten in dieser Zeit herrschte.
Aber schon der Erste Weltkrieg beendete 1914 die kurze Zeit des reinen Gold- bzw. Gold-/Silberstandards, der zu diesem Zeitpunkt in 59 Staaten eingeführt war. Einzelne Länder versuchten nach dem Ersten Weltkrieg wieder zum Goldstandard der alten Form zurückzukehren, aber die verbreitete Inflation und die ruinierte Wirtschaft in vielen Ländern machte dies nahezu unmöglich.
Gar nicht so goldene 20er - Der Gold-/Devisenstandard bis 1939
Auf der Weltwirtschaftskonferenz von Genua 1922 wurde schließlich das offizielle Ende der alten Form eines Goldstandards besiegelt. Zwar wurde die Wiederherstellung des klassischen Goldstandards für wünschenswert erklärt, faktisch wurde er aber nach und nach in den meisten Ländern durch das in Genua entwickelte Modell eines Gold-/Devisenstandards ersetzt. Bei diesem erfüllte das Gold nicht mehr die Rolle eines Zahlungsmittels, sondern diente der Notenbank zusammen mit den vorhandenen Devisenreserven nur noch als Deckungsmittel für die umlaufende Geldmenge. Nur England unternahm noch 1925 einen allerdings halbherzigen Versuch, zum alten Goldstandard zurückzukehren. So waren die Pfundnoten nicht mehr in Goldmünzen eintauschbar, sondern nur noch in Barren. Nicht einmal sechs Jahre waren dem in dieser Form einmaligen Alleingang unter den Weltkriegsteilnehmern beschieden, im Jahr 1931 musste auch das Vereinigte Königreich vor der schweren Wirtschaftskrise kapitulieren. Bald darauf folgten auch die letzten im Krieg neutral gebliebenen Staaten, die am Goldstandard noch festgehalten hatten, unter diesen Portugal und Schweden. Frankreich hielt noch bis 1936 durch, dann führten nach der Besetzung des Rheinlandes durch das Deutsche Reich Ängste vor einem neuen großen Krieg zu einer immer rascher steigenden Nachfrage nach Gold. Die Bank von Frankreich wollte und konnte diesen Bedarf nicht mehr befriedigen und infolge dessen kam es zur Suspendierung des Goldstandards.
Die Zeiten fester Goldparitäten für die Währungen waren somit vorbei. Immer öfter nahmen Notenbanken oder Regierungen nun Anpassungen beim Goldpreis und damit Abwertungen ihrer Währungen vor. Der Handel mit Gold in London, wo viele europäische Bürger ihr Metall auf Konten oder in Barrenform horteten, blieb noch bis zum Kriegsausbruch intakt, aber am 3. September 1939 wurde der Handel auch auf dem wichtigsten Goldmarkt der Welt eingestellt.
Von der amerikanischen Provinz hinaus in die Welt - Das Währungssystem von Bretton Woods
Der Rahmen für die Wiederherstellung einer Weltwährungsordnung für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf einer Konferenz im amerikanischen Kurort Bretton Woods in New Hampshire gesetzt (Währungs- und Finanzsystem). Auf dieser Konferenz wurde die Gründung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank) beschlossen. Ersterer wurde zuständig für die Überwachung eines neuen, auf festen Wechselkursen basierenden Währungssystems. Die Mitglieder des IWF mussten sich dazu verpflichten, ihre Währungen in einem bestimmten Preisverhältnis zum US-Dollar zu halten, was angesichts dessen, dass der Dollar wiederum in einem festen Verhältnis zum Goldpreis stand
(1 Unze = 35 $) faktisch die Schaffung eines Dollar-/Goldstandards bedeutete. Die Festlegung des Goldpreises auf 35 $ bedeutete allerdings nicht, dass die Zentralbanken nicht auch auf dem Goldmarkt aktiv gewesen wären. Vielmehr tauschte eine Reihe von Ländern einen erheblichen Teil ihrer Goldreserven in, für den Wiederaufbau ihrer Länder dringend benötigte US-Dollar ein. Dies führte dazu, dass die Goldreserven der USA im Jahre 1949 mit über 22.000 Tonnen den höchsten Stand in der Geschichte des Landes erreichten. Nach diesem Jahr setzte langsam aber sicher eine entgegen gesetzte Bewegung ein. Europäische Zentralbanken tauschten die, durch die in den fünfziger Jahren stark steigenden Exporte verdienten, US-Dollars wieder gegen Gold ein.
Anders als zu Zeiten des reinen Goldstandards, waren die festen Wechselkurse im System von Bretton Woods allerdings kein Tabu. So wurde den beteiligten Ländern die Möglichkeit eingeräumt, den Wechselkurs ihrer Währungen den wirtschaftlichen Veränderungen der Nachkriegszeit anzupassen. Dieses Verfahren wurde des Öfteren angewandt und so gab es bis 1969 insgesamt über 70 Wechselkursveränderungen.
Die starke Abhängigkeit des Systems von Bretton Woods vom US-Dollar führte schließlich zu seinem Ende. Das System hatte funktioniert, solange die Menge an US-Dollars relativ knapp geblieben war und die beteiligten Länder eine an der Stabilität ihrer Währung orientierte Politik betrieben. Anhaltende Zahlungsbilanzdefizite der USA und insbesondere die enormen Kosten des Vietnamkrieges, führten schließlich zum Zusammenbruch des festen Weltwährungssystems und zum Übergang hin zu einem System der freien Wechselkurse.
Die währungspolitischen Erschütterungen führten vorher schon zu erheblichen Goldkäufen durch private Horter. Tatsächlich überstieg die private Nachfrage in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre bereits die gesamte Neuproduktion und es schien nur eine Frage der Zeit, bis das dabei entstehende Defizit aus den offiziellen Reserven der Länder gedeckt werden musste.
Um dies zu verhindern, vereinbarten die Notenbankchefs im Washingtoner Abkommen von 1968 eine strikte Trennung des offiziellen und des privaten Goldmarktes. Für die Transaktionen zwischen den Zentralbanken sollte auch weiterhin ein fester Goldpreis von 35 US $ / Unze gelten. Davon losgekoppelt sollte sich allerdings auf dem privaten Goldmarkt der Preis abhängig von Angebot und Nachfrage frei entwickeln können. Der freie Goldpreis stieg daraufhin auf rund 40 US $ /Unze an, ein Niveau, das durch Abgaben privater Horter erst einmal nicht lange gehalten werden konnte.
Die Ungleichgewichte im Weltwährungssystem konnten durch die Spaltung der Goldmärkte aber keineswegs aufgehoben werden. 1971 und 1973 kam es infolgedessen zu Dollarabwertungen auf $ 38 bzw. 42,22 je Unze, während der Preis für die Unze Gold auf dem freien Markt bereits wieder stark angestiegen war und schon bei rund $ 100 je Unze lag. Nach und nach wurden immer mehr Währungen in ihrer Kursentwicklung freigegeben, so dass schließlich auch das mehr und mehr obsolet gewordene Washingtoner Abkommen im November 1973 formell aufgehoben wurde. Im Rahmen der Washingtoner Gespräche vom Juni 1974 wurde Zentralbanken die Möglichkeit eingeräumt, ihre Goldreserven zu marktverwandten Preisen für die Aufnahme von Krediten im Ausland zu verpfänden. Italien war das erste Land, das diese Möglichkeit nutzte und einen Kredit aufnahm, bei dem der freie und nicht mehr der offizielle Goldpreis die Grundlage für die Sicherheitenberechnung bildete.
Bis zur endgültigen Verbannung des Goldes aus dem offiziellen Währungssystem sollte es allerdings noch weitere vier Jahre dauern. Die Grundlage dafür wurde 1974 gelegt, als sich die USA damit einverstanden erklärte, dass die Staaten in Zukunft ihre Goldreserven zu Marktpreisen bewerten könnten. Frankreich nutzte diese Möglichkeit zuerst, später folgten weitere Länder. Andere Notenbanken machten von dieser Regelung allerdings keinen Gebrauch, so bewertete z. B. auch die Deutsche Bundesbank ihre Goldreserven noch lange mit rund 4600 DM / kg.
Auf der Konferenz von Kingston/Jamaika im Januar 1976 wurde die endgültige Demonetarisierung des Goldes beschlossen, das viele Jahre dauernde Bemühen der USA in dieser Richtung hatte damit seinen Erfolg. Die zukünftige Rolle des Goldes stellte sich nach dieser Konferenz wie folgt dar:

  • Der offizielle Goldpreis wurde aufgehoben. Damit einher ging die Abschaffung der Verrechnung zwischen dem IWF und seinen Mitgliedern.
  • Die bisherige Verpflichtung der Mitgliedsländer, 25% ihrer Quote im IWF in Gold einzuzahlen, wurde aufgehoben.
  • Ferner wurde beschlossen, ein Sechstel der Goldreserven des IWF über Auktionen, die verteilt auf einen Zeitraum von vier Jahren ausgeführt werden sollten, zu verkaufen. Der Erlös sollte der Einrichtung eines Fonds zugunsten der ärmsten Entwicklungsländer dienen.
  • Ein weiteres Sechstel der Goldreserven sollte an die Mitgliedsländer des IWF entsprechend ihrer Quote zurückgegeben werden.

Ab 1978 wurden die Beschlüsse der Kingstoner Konferenz weitgehend in die Tat umgesetzt. Die Frage, ob mit diesen Schritten tatsächlich die angestrebte Demonetarisierung des Goldes erfolgt ist, kann aber nur zum Teil mit ja beantwortet werden. Gold hat zweifellos seine frühere Rolle als Austauschmedium zwischen einzelnen Notenbanken der Länder verloren. Auch gibt es keinen direkten Zusammenhang mehr zwischen den Goldreserven eines Landes und zum Beispiel dessen wirtschaftlicher Leitungsfähigkeit, den Wechselkursbewegungen seiner Währung oder der heimischen Geldmengenentwicklung. Auf der anderen Seite betonen aber im neuen Jahrtausend immer mehr Notenbanken wieder die Wichtigkeit von Goldreserven als Teil der Währungsreserve und eine ganze Reihe von ihnen weigern sich auch fast 40 Jahre nach dem Ende von Bretton Woods, ihre Goldreserven zu verkaufen.
Endlich freie Bahn - Die Unabhängigkeit des Goldmarktes bringt Rekordpreise und bittere Niederlagen
Das Scheitern des Abkommens von Bretton Woods und die schrittweise weltweite Liberalisierung der Goldmärkte, die noch immer nicht überall abgeschlossen ist, führte zur Etablierung eines freien Marktes, der Ende der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts sehr rasch in eine hochspekulative Phase mündete. Unter dem Eindruck des Einmarsches sowjetischer Truppen nach Afghanistan und der Spannungen zwischen den USA und dem Iran, wegen der Geiselnahme in der amerikanischen Botschaft in Teheran, war der Goldpreis im Januar 1980 auf über 850 US$ gestiegen. Abgaben von Zentralbanken, Vorabverkäufe zukünftiger Produktionsmengen durch Minen und das mangelnde Interesse von Anlegern führten danach aber zu einer fast zwei Jahrzehnte andauernden Agonie, die den Preis schließlich wieder bis auf $ 255 fallen ließ.
Eine Trendwende setzte dann erst wieder 1999 ein, sie verstärkte sich noch nach den Ereignissen des 11. September 2001. Ein in den Jahren danach steigendes Interesse von Investoren, nicht zuletzt auch aufgrund eines explodierenden Ölpreises und eines schwächelnden US-Dollars, führte schließlich Anfang 2008 zu einem Überspringen der historischen Höchstmarke von 1980. Die Entwicklung gipfelte dann im März 2008 mit einem neuen Rekordniveau bei $ 1.030 je Unze. Erst danach gab es dann einen neuen Rückschlag, der wieder dreistellige Goldpreise brachte.