Gold gewinnt wieder an Glanz
Seit dem Jahr 2005 hat der Goldpreis beinahe ununterbrochen an Wert gewonnen. Dies ging einher mit zum Teil dramatischen Veränderungen sowohl auf der Angebots-, wie auch der Abnahmeseite. So ging die Bedeutung der Schmuckindustrie und einiger anderer Industriebereiche als Abnehmer teilweise massiv zurück. Am Ende war es deshalb vor allem das Engagement privater und institutioneller Investoren, welches den Goldpreis im 1. Quartal 2008 erstmals über die vorherige Rekordmarke von $ 850 je Unze vom Januar 1980 steigen ließ. Schon kurze Zeit später stieg das Metall erstmals auch über das psychologisch wichtige Preisniveau von $ 1.000 je Unze.
In den Folgejahren erreichte das Metall immer neue Höchstpreise und die Entwicklung gipfelte (vorerst) im Dezember 2010 bei einem Kurs von $ 1.431 für eine Unze (31,1035 Gramm), bzw. bei € 34.690 je Kilogramm. Die Ursachen für den Anstieg haben sich während der gesamten Haussephase kaum verändert: Zu viel Liquidität auf den Finanzmärkten; die andauernden Probleme mancher Banken; die Schuldenkrise in etlichen Ländern; niedrige Kapitalmarktzinsen; aber natürlich auch hausgemachte Dinge wie ein gesunkenes Goldangebot von Zentralbanken; Rückkäufe von alten Terminsicherungsgeschäften durch Minen und der hohe, aber eben jenseits seines Zenits liegende Anfall an Altgold bildeten die Grundlage für die beschriebene Preisentwicklung.
Eigentlich kein bisschen knapp: 166.000 Tonnen Gold wurden gefördert, fast alle sind noch da
Trotz der starken Nachfrage von Investoren in den Jahren 2005 – 2010 bestand zu keinem Zeitpunkt die Gefahr, dass der Welt das Gold in irgendeiner Form „ausgehen“ könnte. Analysten haben errechnet, dass im Laufe der Geschichte rund 166.000 Tonnen des gelben Metalls gefördert wurden und nur ein sehr kleiner Teil davon sei verbraucht worden oder ist verloren gegangen. Außerdem kommen jedes Jahr zu dem Gesamtbestand noch rund 2.500 Tonnen Gold neu hinzu. Diese Menge nahm ab 2001, dem Jahr mit der mit 2.645 Tonnen höchsten jemals verzeichneten Förderung, kontinuierlich leicht ab. Erst 2010 gab es wohl eine Trenwende und die Produktion, beflügelt durch die hohen Goldpreise, nahm wieder leicht zu.
Anders als bei den Platinmetallen ist die Förderung von Gold global breit gestreut. Größtes Produzentenland ist seit 2007 China, aber auch sein Anteil liegt bei nur etwas über zwölf Prozent der Gesamtmenge. An zweiter Stelle liegt mit rund 230 Tonnen Australien, gefolgt von den USA, Südafrika, das seit 1905 die Rangliste der goldproduzierenden Länder angeführt hatte, ist heute nur noch viertgrößter Produzent. Im Jahr 1970 waren am Kap noch 1.000 Tonnen Gold gefördert worden, damals war das Land für 80% der globalen Ausbringung verantwortlich.
Im vergangenen Jahrzehnt wurde das Angebot stets komplettiert durch Zentralbankverkäufe, welche noch 2007 bei bedeutenden 480 Tonnen gelegen hatten. Mittlerweile sind die Zentralbanken aber auf die Netto-Käuferseite gewechselt. Angestiegen ist jedoch durch den stetigen Preisanstieg das Aufkommen an Altgold, das im Jahr 2010 rekordverdächtige 1.750 Tonnen erreichte. Diese Menge macht auf dem Goldmarkt über 40% des Gesamtangebots aus.
Größter Halter von Gold sind heute aber weder die Zentralbanken, noch die Investoren, mit über 82.500 Tonnen liegt fast die Hälfte des jemals geförderten Goldes in Form von Schmuck vor. An zweiter Stelle stehen schließlich die Zentralbanken mit knapp 30.000 Tonnen, private Investoren folgen knapp dahinter an dritter Stelle. In unterschiedlichen industriellen Anwendungen werden derzeit etwas über 19.000 Tonnen eingesetzt.
Förderung wird in Zukunft nicht groß ansteigen
Minengesellschaften sehen sich heute großen Herausforderungen gegenüber, wenn es darum geht, die Neuförderung an Gold einigermaßen stabil bei den oben erwähnten 2.500 Tonnen zu halten. Während ältere Minen verstärkt an das Ende ihrer Lebensdauer kommen, gibt es weltweit nur wenige bereits entdeckte, aber noch nicht erschlossene Vorkommen. Bergbauingenieure weisen in diesem Zusammenhang außerdem darauf hin, dass es zehn Jahre von der Entdeckung eines Vorkommens bis zum Beginn der Ausbeutung dauern kann. Auch aus diesem Grund kann die Ausbringung von Gold, wenn überhaupt, nur sehr langsam steigen.
Andererseits nimmt auch der notwendige Aufwand bei der Goldförderung in bereits bestehenden Minen immer weiter zu. So müssen z.B. einzelne Minengesellschaften in Südafrika inzwischen in Tiefen bis zu 4.000 Metern vorstoßen, um das gelbe Metall überhaupt gewinnen zu können. Der hierfür zu betreibende Aufwand ist nicht nur ein technologischer Kraftakt, er erhöht gleichzeitig auch die ohnehin steigenden Produktionskosten noch zusätzlich. So haben in den letzten Jahren für alle Minen die Aufwendungen z.B. für Energie, Kraftstoffe und Stahl in erheblichem Maße zugelegt. Und auch die Personalkosten sind dank der Lohnsteigerungen der vergangenen Jahre in dieser personalintensiven Industrie deutlich gestiegen.
In den großen Produzentenländern dürfte aus den genannten Gründen vor allem die Ausbringung in Russland und in China in den nächsten Jahren noch weiter steigen. In den anderen bedeutenden Förderländern wird die Tendenz dagegen vermutlich eher fallend, bestenfalls aber gleichbleibend sein.
Anteil der Schmuckindustrie am Goldabsatz sindkt immer weiter
Nicht nur die Höhe der anfallenden Altmetallmengen auf der Angebotsseite ist stark von der jeweiligen Höhe des Goldpreises abhängig, sondern auch etliche Bereiche auf der Nachfrageseite. Dazugehört zu allererst die Schmuckindustrie, deren Kunden in einigen Teilen der Welt zum Teil extrem preissensitiv sind. Die Entwicklung der letzten Jahre unterstreicht dies: Im Jahr 2007 hatte die Schmuckindustrie noch einen Anteil am weltweiten Goldabsatz in Höhe von über 60 Prozent, 2010, bei einem verdoppelten Preis, waren es dann nur noch 40 Prozent. Auch in den absoluten Zahlen zeigt sich die zurückgehende Bedeutung der Schmuckindustrie: Zu Beginn der Dekade hatte die Nachfrage nach Goldschmuck noch bei über 3.200 Tonnen gelegen, 2007 bei noch 2.400 Tonnen und im Jahr 2010 dann bei nur noch 1.820 Tonnen.
Echte industrielle Anwendungen (einschl. der Dentalindustrie) lagen 2010 mit etwas über 350 Tonnen auf einem respektablen Niveau. Hier wirkte sich vor allem die Erholung der Weltwirtschaft nach dem starken Einbruch im Jahr 2009 aus, die insbesondere der Goldverbrauch in der Elektronikindustrie beflügelte. Innerhalb des Spektrums industrieller Anwendungen ist vor allem die Nachfrage aus dem Dentalbereich rückläufig, sie lag zuletzt bei nur noch 50 Tonnen.
Beim Vergleich mit den anderen Edelmetallen gibt es beim Gold die Besonderheit, dass die Minen auch auf der Nachfrageseite mit Käufen von fast 260 Tonnen (2009) zu finden sind. Ursache dafür ist, dass sie seit dem Jahr 2000 in bisher jedem Jahr aktiv Teile ihrer im letzten Jahrzehnt abgeschlossenen Terminsicherungsgeschäfte vorzeitig (und oft mit Verlust) schließen. Allerdings ist hier ein Ende absehbar, schon 2011 dürfte die Position auf nahezu null sinken.
Anleger verhelfen dem Gold seit 2008 zu stetig höheren Preisrekorden
Angesichts der eher gemischten Nachrichten, was den Absatz im Industriebereich angeht, waren es in den letzten Jahren vor allem die Investoren, die mit ihrer neu entdeckten Liebe zum Gold dessen Preis so sehr nach oben trieben. Ein wichtiger Grund für die Popularität des Goldes war die Entwicklung neuer Finanzprodukte, die es auch institutionellen Anlegern erstmals ermöglichte, direkt in Gold zu investieren und nicht länger den Umweg über ein Investment in Minenaktien gehen zu müssen.
In den Jahren 2005 – 2010 kauften Anleger zeitweise bis zu 1.400 Tonnen Gold in Form von Exchange Traded Funds (ETFs) auf. Hinzu kam noch der zeitweise rekordverdächtige Absatz an Barren und Münzen, sowie die Ausweitung der Pluspositionen an den Terminbörsen.
Die sich ab dem 3. Quartal 2008 ausweitende Finanzkrise sorgte zunächst aber für eine Flucht der Investoren aus vermeintlich spekulativeren Anlagen, überraschenderweise war hiervon auch das „Krisenmetall“ Gold betroffen. Vor allem die genannten Positionen an den Terminbörsen wurden in erheblichem Maß abgebaut, die entsprechenden Verkäufe dürften in erheblichem Maße zu dem Preisverfall beigetragen haben. Doch seit 2009 steigen, bedingt durch die Finanzkrise und den mangeldem Vertrauen in die Staatsfinanzen, die Absatzzahlen stetig massiv an.