Unverzichtbar für die moderne Industriegesellschaft
Platin steht auch heute noch oft im Schatten der beiden häufigsten Edelmetalle Gold und Silber. Gleichwohl ist es das Edelmetall, auf das in der modernen Industriegesellschaft wahrscheinlich am wenigsten verzichtet werden kann. Der Bogen seiner Einsatzgebiete spannt sich dabei von vergleichsweise alten Technologien, wie der Stahl- und der ölverarbeitenden Industrie, bis hin zu Medikamenten für die Krebsbekämpfung oder dem Einsatz als Bestandteil der Beschichtung von Computerfestplatten.
Südafrika mit großem Abstand Nr. 1 unter den Förderländern
In einem scheinbaren Widerspruch zu den vielfältigen Einsatzgebieten steht die vergleichsweise geringe jährliche Neuförderung des Metalls. Nur rund 250 Tonnen davon werden jedes Jahr ausgebracht, eine Menge, die aufgrund des hohen spezifischen Gewichts unter jeden größeren Esstisch passen würde. Mit großem Abstand das bedeutendste Förderland für Platin ist Südafrika. Das Land am Kap ist für fast 80% der Ausbringung verantwortlich. Dabei dominieren drei Minengesellschaften (Anglo Platinum, Impala Platinum und Lonmin) die Förderung, hinzu kommen noch einige kleinere Gesellschaften wie Northam und Aquarius Platinum. Seit dem Beginn des Anstiegs des Platinpreises ab der Mitte dieses Jahrzehnts bereiten sich außerdem eine Reihe von weiteren sog. Junior-Minengesellschaften vor, irgendwann in der Zukunft die Förderung aufzunehmen. Allerdings stoßen sie derzeit auf größere Schwierigkeiten in Bezug auf die Verfügbarkeit von ausgebildeten Arbeitskräften, Kapital und Infrastruktur, sodass viele dieser Projekte bis weit in das nächste Jahrzehnt hinein verzögert werden dürften.
Außer Russland spielen andere Länder dann keine Rolle
Mit großem Abstand folgt Russland an zweiter Stelle, was die Rangliste der Produzentenländer angeht. Weniger als 30 Tonnen oder 15% der weltweiten Gewinnung werde hier pro Jahr gefördert, in erster Linie zusammen mit dem deutlich häufigeren Palladium als Beiprodukt bei der Nickelförderung. Dadurch ist Norilsk Nickel auch der mit deutlichem Vorsprung größte Lieferant von Platin aus Russland.
Abgeschlagen sind derzeit alle anderen Produzentenländer, darunter die USA und Kanada, sowie Zimbabwe. In letztgenanntem Land gibt es allerdings große Vorkommen, die nach einer Beruhigung der politischen Situation dort verstärkt ausgebeutet werden dürften.
Produktion wird auch in Zukunft wohl nur leicht steigen
Angesichts der Schwierigkeiten, denen sich nicht nur die Juniorminen gegenübersehen, dürfte es in Südafrika in den nächsten Jahren kaum zu einer deutlichen Ausweitung der Produktion kommen, in den anderen Ländern besteht hierzu ohnehin kaum eine Möglichkeit. Dies gilt insbesondere auch, weil bestehende Minen am Kap an das Ende ihrer Lebensdauer kommen und so neue Projekte zunächst lediglich für einen Ersatz der alten Kapazitäten sorgen. Auch machen die in den letzten Jahren angesichts höherer Aufwendungen für Rohmaterialien und Personal massiv gestiegenen Produktionskosten den Minen zu schaffen. Am Ende kommt noch hinzu, dass Platin international in Dollars gehandelt wird und die Schwäche der US-Währung in den letzten Jahren die Erlöse der Produzenten zusätzlich geschmälert hat. Dies lässt eine Mehrproduktion, die unter Umständen für ein Überangebot am Markt sorgen könnte, zusätzlich nicht sehr attraktiv erscheinen.
Ohne Platin läuft in der Automobilindustrie fast nichts
Eine ähnliche Dominanz, wie sie Südafrika auf der Produktionsseite inne hat, besitzt die weltweite Automobilindustrie auf der Verbrauchsseite. Bekannt ist dabei vor allem der Einsatz von Platin in den Katalysatoren von Automobilen, allerdings gibt es auch noch eine ganze Reihe von anderen, eher versteckten Anwendungen. So wird Platin z.B. auch in Airbag-Zündern, in Lambda-Sonden und in Zündkerzen direkt verwendet. Daneben gibt es Einsatzgebiete für Platin in der Glasindustrie, bei der Umwandlung von Rohöl in Benzin und in der Stahlindustrie.
Allerdings stehen, was die Volumina des eingesetzten Metalls angeht, alle anderen Anwendungsgebiete klar hinter der Abgasreinigung zurück. Hier werden im Jahr knapp 100 Tonnen Platin verbraucht. Davon stammen knapp 25 Tonnen oder rund 11% aus recycelten Altkatalysatoren, der Rest aus neu gefördertem Material. Die Menge des in Katalysatoren und bei Dieselfahrzeugen zusätzlich auch in Rußfiltern eingesetzten Metalls vor 2008 stetig gestiegen und hat sich in den 10 Jahren davor mehr als verdoppelt. Mit Anziehen der Konjunktur auch bei der Automobilindustrie werden diese Zahlen für 2010 und 2011 sich wohl deutlich verbessern. Mit verantwortlich für diesen Zuwachs ist, neben dem Anziehen der Absatzzahlen, auch die große Popularität von Dieselfahrzeugen vor allem in Europa. In diesen Fahrzeugen konnte bis 2007 nur Platin zur Abgasreinigung eingesetzt werden, inzwischen können aber bis zu 30% des Platins durch das deutlich günstigere Palladium ersetzt werden. Bei benzingetriebenen Fahrzeugen hatten die Hersteller seit jeher die Wahl zwischen Palladium und Platin und haben zuletzt aus Kostengründen eher auf Palladium gesetzt.
Die Abhängigkeit vom Platin macht die jederzeitige Verfügbarkeit dieses Metalls für die Automobilindustrie zu einem kritischen Punkt. Zwar verfügen die Autohersteller über geringe Vorräte, allerdings würden diese im Falle einer Produktionsunterbrechung in Südafrika nicht länger als vier bis sechs Wochen ausreichen. Einen Vorgeschmack auf mögliche Auswirkungen einer Produktionsunterbrechung in Südafrika gab es im Februar 2008, als am Kap die Platinausbringung nach Problemen bei der Stromversorgung für eine Woche ruhte und der Preis sich innerhalb weniger Wochen in Erwartung weiterer Engpässe fast verdoppelte. Dabei war es in dieser Situation nicht einmal die Automobilindustrie, die das Metall kaufte, sondern es waren Spekulanten, die es in der Hoffnung auf einen raschen Gewinn kauften und das Angebot dazu zusätzlich verknappten.
Platinverbrauch durch die Autoindustrie könnte in Zukunft weiter steigen
Auch die zukünftige Entwicklung des Platinmarktes wird eng mit der Automobilindustrie verbunden sein. Die neuen Wachstumsmärkte in Asien und der GUS bevorzugen gleichzeitig eher benzingetriebene Fahrzeuge, in deren Katalysatoren bevorzugt Palladium eingesetzt wird.
Der Platinbedarf sollte mittel- und langfristig weiter zunehmen, weil insbesondere in den stark wachsenden asiatischen Märkten nicht nur die Abgasvorschriften für Lastkraftwagen und andere schwere Fahrzeuge deutlich verschärft wurden, sondern auch die viel strengeren EU-Abgasnormen Einzug gehalten haben und somit den Einsatz von Katalysatoren und Rußfiltern zukünftig zwingend erforderlich machen.
Ein weiterer, möglicher Einsatzbereich für Platin ist die Zukunftstechnologie der Brennstoffzelle. Hier fanden Forscher bis jetzt keine Alternative zu dem weißen Metall. Hinzu kommt, dass der Platinbedarf für eine PKW-Brennstoffzelle im Vergleich zu einem Verbrennungsmotor derzeit noch um ein mehrfaches höher liegt.
Andere industrielle Anwendungen ebenfalls mit steigendem Bedarf
Auch in anderen industriellen Anwendungsbereichen ist der Platinbedarf in den letzten Jahren stetig gestiegen. Allerdings verarbeiten diese das Metall zum Teil nicht in ihre Endprodukte, sondern es ist in den Herstellanlagen gebunden. Beispiele hierfür sind die Glasindustrie mit einem stark gesunkenen Bedarf von rund 4 Tonnen p.a., sowie die Ölindustrie mit einem Neubedarf von knapp 6Tonnen.
Nennenswerte Ausnahmen mit einem Platinbedarf, der später nicht wieder zurückgewonnen werden kann, bilden die Silikonindustrie (ca. 5Tonnen) und die Elektronikindustrie (ca. 8 Tonnen).
Absatz im Schmuckbereich sinkt aufgrund hoher Preise
Deutlich vor den weiteren Industrieverbrauchern, gleichzeitig aber mit weitem Abstand zur Automobilindustrie, rangiert der Schmuckbereich, die zweitgrößte Anwendung für Platin,. Immerhin fast 70 Tonnen pro Jahr werden vor allem von chinesischen und japanischen Konsumenten nachgefragt. Dieses Metall geht in der Regel naturgemäß nicht verloren, wird aber, wenn überhaupt, erst wieder nach sehr langer Zeit dem Recyclingkreislauf zugeführt. Der Bedarf durch die Schmuckindustrie hat seinen Höchststand bereits vor der Jahrtausendwende erreicht und ist spätestens seit 2002 deutlich rückläufig, nicht zuletzt aufgrund der hohen Preise. Eine massive Trendwende in diesem Bereich ist nur zu erwarten, wenn der Platinpreis wieder für längere Zeit deutlich unter das Niveau von $ 1.000 je Feinunze fallen sollte.
Platin als Investmentmetall
Als Anlageprodukt spielt das weiße Metall erst seit der Entwicklung von neuartigen Anlegerprodukten wie den Exchange Traded Funds (ETFs) wieder eine größere Rolle. Vorher gab es lediglich die Möglichkeit, Platin in physischer Form wie Münzen oder Barren zu erwerben, sie wurde nach einem Zwischenhoch um die Jahrtausendwende herum aber nur relativ wenig genutzt. Erst ab 2007 sorgten dann die ETFs dafür, dass das Metall in nennenswerten Mengen auch von institutionellen Investoren (wie z.B. Pensionsfonds) nachgefragt wurde. Der Preisrückgang im Spätsommer 2008 sorgte vorerst dafür, dass Anleger wieder in größerem Umfang ihre Positionen schlossen und dem Metall somit den Rücken kehrten, jedoch mit Einführung der ETF auf den nordamerikanischen Markt, und mit steigenenden Preisen in 2009, zog die Nachfrage wieder nennenswert an. Ein Problem, an das sich Anleger im Laufe des Jahres im Herbst 2008 auf zum Teil unliebsame Weise gewöhnen mussten, war die geringe Liquidität des Platinmarktes, sowie die extreme Volatilität des Preises, die beide jede Planbarkeit möglicher Erträge außerordentlich erschwerten.