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Finanzierung von Edelmetallbeständen

Bei Unternehmen gibt es vor allem zwei Formen des Edelmetalleinsatzes: Einerseits wird Metall in den Endprodukten verwendet und muss von daher laufend neu beschafft werden, so z.B. in der Automobil- und der Elektronikindustrie. Andererseits gibt es zahlreiche Branchen, in denen das Metall im Produktionsprozess gebunden ist und nicht laufend ersetzt werden muss. Beispiele hierfür sind die Glas-, die (petro-)chemische und die Pharmaindustrie. Unternehmen, die Edelmetalle für den laufenden Betrieb benötigen, haben die Wahl, diese einmalig zu kaufen oder sie dauerhaft zu leihen.

Edelmetallleihen

Edelmetallleihen sind am ehesten mit einem Geld-Kredit vergleichbar, im juristischen Sinne stellen sie allerdings ein Sachdarlehen dar. Der Leihegeber überlässt dabei dem Leihenehmer für einen vereinbarten Zeitraum eine festgelegte Menge an Edelmetall, entweder durch physische Auslieferung oder durch Gutschrift auf ein vom Leihenehmer benanntes Gewichtskonto. Die Parteien einigen sich außerdem auf einen Zinssatz und einen Basispreis (meist der aktuelle Marktpreis), der als Grundlage für die Zinsberechnung dient. Im professionellen Handel werden Leihen üblicherweise auf feste Perioden (ein, zwei, drei, sechs, neun oder zwölf Monate) abgeschlossen. Industrieunternehmen haben aber die Möglichkeit, auch für „ungerade“ Termine Leihegeschäfte abzuschließen. Die maximalen Laufzeiten sind von Metall zu Metall unterschiedlich und hängen von der jeweiligen Markttiefe ab. Die Zinszahlung erfolgt in der Regel am Ende der Laufzeit in einer bei Abschluss vereinbarten Währung (Euro oder Dollar), nur noch selten in Form von Metall.
Heraeus bietet Industriekunden Edelmetallleihen im Zusammenhang mit Produktgeschäft, insbesondere im Bereich Recycling, in Form sog. Überbrückungsleihen an. Kunden, die Edelmetalle dauerhaft leihen möchten, unterstützt Heraeus bei der Suche nach einem Leihepartner aus dem Bankenbereich.

Edelmetall-Swaps

Als Edelmetall-Swap („-Tausch“) (auch "Cash and Carry” genannt) wird eine Geschäftsart bezeichnet, die eine Alternative zur Finanzierung eines Edelmetallbestandes durch eine "echte" Leihe darstellt. Ausgetauscht werden dabei für eine vorbestimmte Zeit Metall auf der einen Seite und dessen Gegenwert in Form von Geld auf der anderen. Für die Laufzeit des Swaps erhält der Metallnehmer (engl.: borrower) das Metall vom Leihegeber (engl.: lender) und zahlt im Gegenzug den Gegenwert. Faktisch besteht das Geschäft aus einem anfänglichen Verkauf des Metalls an den Leihenehmer und einem parallel vereinbarten Rückkauf zum Ende der Laufzeit.
In den meisten Fällen werden beide Teile des Geschäfts, der anfängliche Tausch und der spätere Rücktausch, nicht den gleichen Preis haben. Der Unterschied zwischen den beiden Preisen ergibt sich aus der Differenz der Zinssätze für das beteiligte Metall einerseits und die beteiligte Währung andererseits. So müsste ein Leihenehmer für Platin z.B. 2% an den Leihegeber zahlen, auf der anderen Seite stehen dem Leihenehmer aber 3% Zinsen z.B. für jene Dollars zu, die er bei Abschluss eines Swaps an den Leihegeber zahlt. Der Swap-Zinssatz liegt in diesem Fall bei 1% (3% - 2%). Diesen „Überhang“ in Höhe von einem Prozent muss der Leihegeber an den Leihenehmer zahlen, so werden eventuelle Zinsvorteile ausgeglichen.
Nach dem Abschluss eines Swap-Geschäfts liefert der "Verleiher"/Verkäufer an den "Leihenehmer"/Käufer am „Valutentag“ (normal zwei Werktage nach Abschluss) das Metall. Am gleichen Tag erhält der Verleiher den Gegenwert in Form von z.B. Euros oder Dollars auf ein von ihm benanntes Konto. Der genau zu zahlende Geldbetrag ergibt sich aus dem zwischen beiden Parteien vereinbarten Basispreis für das Geschäft, der wiederum dem Kassapreis bei Geschäftsabschluss entspricht.
Bei einem Swap besteht für den Leihenehmer, anders als bei einem reinen Metallkauf, kein Preisrisiko, da An- und Rückkaufskurs von Anfang an fixiert und für beide Parteien bindend sind. Der Preisunterschied gleicht lediglich die Zinsunterschiede aus, bedeutet aber keinen wirtschaftlichen Vor- oder Nachteil.
Zu beachten sind die bilanziellen Auswirkungen eines Swaps: Während eine Leihe u.U. nicht in der Bilanz aufgezeigt werden muss, ist ein Swap bilanzwirksam, wenn er über den Bilanzstichtag hinausreicht.

Quality- und Location-Swaps

Zwei ausschließlich im Bereich des Edelmetallhandels vorkommende Formen von Swaps können den Tausch von Metallen an verschiedenen Lagerstellen (Location Swap) oder in verschiedenen Feinheiten (Quality Swap) beinhalten. Beide Geschäftsarten gehören aber trotz der Namensähnlichkeit nicht zu den Finanzierungsgeschäften. Bei ihnen ergeben sich die Preise für den Swap auch nicht aus unterschiedlich hohen Zinsen für das Metall und die beteiligte Währung, sondern aus den Kosten für Transport bzw. Versicherung oder aus dem Aufwand für die Umarbeitung von einer Qualitätsstufe in eine andere.

Sale and Lease-Back von Edelmetallbeständen

Zu Beginn des Jahrzehnts waren Unternehmen verstärkt dazu übergegangen, schon vorhandene Edelmetallbestände durch einen Verkauf und ein nachfolgendes Zurückleihen in Liquidität umzuwandeln. Durch den vorübergehenden Anstieg der Rhodium-Zinsen auf bis zu 40 Prozent p.a. und kurzfristige Platinzinsen von sogar über 100 Prozent p.a. haben solche Überlegungen allerdings zuletzt wieder einen deutlichen Rückschlag erlitten. Eine solche Transaktion erfolgt als reines „Buchgeschäft“, das im Produktionsprozess gebundene Metall wird davon nicht berührt.
Bei einem Sale- und Lease-Back-Geschäft sind in jedem Fall mögliche steuerliche Auswirkungen (Hebung von stillen Reserven) für das Unternehmen zu beachten.